Bitte glaub mir kein Wort!

In einer Zeit in der Religion einen immer kleineren Stellenwert im Leben vieler Menschen einnimmt, finde ich es immer bemerkenswert das viele Fragen des Alltags mit geradezu religiösem Eifer diskutiert werden. Welche Handymarke ist die beste, welches Betriebssystem auf dem Computer? Auch bei Sport gibt es diese Diskussionen in geradezu beängstigendem Ausmaß. Ist Crossfit die letzte und höchste Stufe in der Evolution des körperlichen Trainings oder ist es ein gefährlicher Unsinn der verboten gehört? Lustiger weise diskutieren hier in der Regel Leute miteinander, die ohnehin objektiv gesehen fast der gleichen Meinung sind. Selten setzt sich jemand aus dem Bereich der Mainstream Fitness mit dem für und wieder einer bestimmten Spielart des Functional Training auseinander (die haben dazu keine Zeit, weil sie täglich Stunden im Studio verbringen 😉 – wenn diskutiert wird, ist es Functional Training Zweig A mit Functional Training Zweig B. Erinnert mich ein bisschen an den Nordirland Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken.

Im Sport eigentlich einfach die „richtigen“ Antworten zu finden

zumindest auf der Ebene des einzelnen. Jeder der Sport in irgendeiner Spielart treibt, hat ein Ziel, das er dabei verfolgt. Die meisten Anhänger der Mainstream Fitness sind sich dessen nur am Rande bewusst – sonst würden sie sich nicht über Jahre in teuren Studios abrackern ohne ihren Zielen näher zu kommen.
Der Unterschied zwischen „richtig“ und „falsch“ im Sport liegt nämlich ganz einfach darin, ob ich mit dem was ich tue meine Ziele erreiche – oder nicht.

„You can’t argue with strength“ – unbekannt

Dieser englische Ausspruch warnt nicht davor sich nicht mit Stärkeren anzulegen (obwohl das selten einen gute Idee ist), sondern meint, dass ein leistungsstarker Mensch in seinem Training wohl ziemlich viel richtig gemacht hat, sonst wäre er nicht da wo er jetzt ist. Selbst wenn ein Trainingsprogramm Dir noch so hanebüchen vorkommt – für dieses Individuum hat es funktioniert und kann damit nicht „falsch“ sein. Das heißt aber nicht, dass diese Programm automatisch für jeden anderen auch „richtig“ sein muss. Mache Übungen/Geräte/Protokolle passen für sehr viele Menschen (Swing/Kettlebell/Max Shanks Perfect Health Workout) andere für nur wenige (Overhead Squat/Geräte mit geführten Gewichten/Smolov Cycle) und manche Sachen sind nur für einzelne Individuen eine gute Idee. Ein Beispiel: Ein recht bekannter deutscher Tae Kwon Do Großmeister (nicht meiner) empfiehlt seinen Schülern zur Stärkung der Knie, hochzuspringen, beide Füsse hinten festzuhalten und auf den Knien zu landen – ich glaube gerne, dass diese Übung für ihn funktioniert hat (bei Taekwondo Großmeistern glaube ich ziemlich viel), trotzdem zweifle ich stark daran, dass es viele andere gibt die davon profitieren würden.

Wie finde ich mein „Richtig“?

Das ist ziemlich einfach:
  • Kenne Deine Ziele (Ein Artikel von Sebastian zur Zielbestimmung)
  • Finde Lehrer, die dir bei deren Erreichung helfen können (Mein Artikel zum Lehrer finden)
  • Höre Deinen Lehrern zu und probiere aus was sie vorschlagen:
    • Manchmal ist dazu Überwindung nötig aber ein guter Lehrer sollte wissen, was er Dir zutrauen kann.
    • Zwing Dich zu nichts vor dem Du Angst hast – wenn dem so ist frage Deinen Lehrer.
    • Gib dem ganzen ein paar Wochen – wenn es nach vier bis sechs Wochen konsequentem Training nicht funktioniert – läuft etwas falsch.

Mit anderen Worten: glaube nicht einfach alles, was Du hörst, auch wenn es aus einer vertrauenswürdigen Quelle (wie mir 😉 kommt.

Nimm jede neue Informationen an und sieh, was Du für Dich daraus machen kannst. Dinge die auf Anhieb seltsam scheinen, können hervorragend funktionieren (Eisenkugel mit Griff als Trainingsgerät) während andere, die sich von Anfang an gut und durchdacht anhören (Training an Geräten um die Gelenke zu schonen), sich als Unfug herausstellen können.
Wann immer Dir jemand erzählt, dass nur dieser eine Weg (seiner) der richtige ist, ist Misstrauen mehr als berechtigt.
In diesem Sinne – Viel Erfolg auf DEINEM Weg!

About Florian

Als einer der ersten RKC Kettlebell Instruktoren in Deutschland ist Florian ständig dabei seine Fertigkeiten im Umgang mit der Kettlebell und sein Wissen zu erweitern. Im vorliegenden Blog berichtet er sein seit 2012 von seinen Erfahrungen und gibt Tipps für den Umgang mit der Eisenkugel, fürs eigene Training und vieles mehr.
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