Movementsystems Inc. – Bewegungssysteme und ihr für und wider

Es gibt eine ganze Menge Bewegungssysteme auf dem Markt. Manche sind ganz neu, hip und werden von einer auf Hochtouren laufenden Marketingmaschinerie beworben. Andere sind schon etwas älter weit verbreitet und sehr heterogen. Bei dieser Menge an Systemen, die uns zur Verfügung stehen, ist es für den einzelnen oft schwer zu entscheiden, was denn sinnvoll ist und was nur dem nützt, auf dessen Bankkonto letztendlich unser Geld landet. Ich selbst arbeite mit mehreren Bewegungssystemen; zum einen bin ich seit vielen Jahren aktiver Taekwondo Sportler-ja auch Kampfsportarten sind Bewegungssysteme. Außerdem, wie jeder Leser dieses Blogs natürlich weiß, bin ich aktiv in der RKC Schule für Kettlebell Training. Aber natürlich habe ich im Laufe meines Lebens auch verschiedene andere Systeme kennengelernt und ausprobiert. Aufgrund dieser Erfahrungen habe ich ein Art Navigationssystem für mich entwickelt. Es sagt mir, welche Systeme vermutlich mein Geld, meine Zeit und ganz allgemein meine Energie wert sind. In diesem Artikel möchte ich dieses Navigationssystem mit euch teilen.

Tae Kwon Do - viele Techniken, viel Zen nichts für Ungeduldige.
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Was sind denn Bewegungssystem?

Ein Bewegungssystem besteht aus einer mehr oder weniger fest umrissenen Anzahl von Übungen, Methoden und weitere Komponenten. Jedes System verfolgt ein bestimmtes Ziel, auf dessen Erreichung alle Aktivitäten (mehr oder weniger gut) abgestimmt sind.
Beispiele für Bewegungssysteme sind: alle Kampfsportarten, Yoga, Pilates und Co, sowie sämtliche sportlichen Disziplinen. Natürlich gibt es zwischen diesen Systemen dramatische Unterschiede, sowohl was deren Zielsetzung als auch ihre Wirksamkeit angeht.
Schauen wir uns doch einige dieser Systeme etwas genauer an. Als erstes Vergleichsobjekt benütze ich das klassische Taekwondo, das ich schon seit vielen Jahren betreibe. Als zweites das Kickboxen und als drittes Krav Maga. Obwohl es sich bei allen drei um Kampfsportarten handelt, sind die Zielsetzungen völlig verschieden. Im klassischen Taekwondo geht es in erster Linie um die Gesund-Erhaltung des Körpers bis ins hohe Alter, das Ziel beim Kickboxen ist es Wettkämpfe zu gewinnen. Krav Maga dagegen ist eine Selbstverteidigungsmethode, die vom israelischen Militär entwickelt wurde, deren Zielsetzung weder eine positive Beeinflussung des Körpers durch gesunde Bewegung noch das gewinnen von Wettkämpfen nach bestimmten Regeln, sondern einzig und allein der Eigenschutz in einer physischen Auseinandersetzung ist. Obwohl alle drei auf den ersten Blick ähnlich sind, erkennt man aber auf den zweiten Blick sehr schnell, dass die Unterschiede und damit auch die Wirkungen gravierend sind.
Wegen meines eigenen Hintergrunds habe ich für diesen Vergleich drei Kampfsportarten gewählt – der selbe Vergleich ließe sich aber auch mit anderen Sportarten ziehen.

Kennzeichen eines Bewegungssystems

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Wie lässt sich ein solches Bewegungssystem nun einschätzen bzw. vergleichen. Dazu ist es wichtig sich vor Augen zu führen welche Aspekte die Systeme beeinflussen:

  • Das Alter – das Alter eines Systems beeinflusst, wie viele Menschen im Lebenszyklus beteiligt waren und ihre eigenen Meinungen und Ansichten eingebracht haben. Dies kann sowohl positiv wie auch negativ wirken. Selbstverständlich ist es ein Qualitätskriterium, denn ein schlechtes System würde nicht so lange überleben. Gleichzeitig führt ein langer Lebenszyklus aber auch dazu, dass sich Fehler und Ungenauigkeiten und Unklarheiten etablieren, so dass der ursprüngliche Zweck nicht mehr in der Gänze erreicht werden kann. Ein Beispiel für ein sehr altes System wäre Yoga. Bitte nicht falsch verstehen! Auch wenn ich es selbst nicht praktizieren, bin ich überzeugt, dass Yoga eine hervorragende Sache ist und in all seiner Tiefe viele Menschen zu einem besseren Leben hilft. Trotzdem ist gerade im Yoga eine sehr weite Spannbreite von unterschiedlichen Niveaus erkennbar. Zwischen dem Fitnesstrainer der die Wochenendlizenz zum Yoga-Lehrer gemacht hat und dem lebenslangen Yogi, der Jahre in Indien verbracht hat, ist es doch ein recht weiter Weg.
  • Die Komplexität – es gibt sehr einfache Systeme, die nur einen scharf abgegrenzten Zweck haben und ebenfalls äußerst weit gefasste, deren eigentliche Zweck kaum mehr zu erkennen ist. Wie beim Alter muss auch die Komplexität weder durchweg positiv oder negativ bewertet werden. Natürlich ist ein einfaches überschaubares System wie zum Beispiel, das der RKC leichter umsetzbar als zum Beispiel ein komplexes wie das klassische Taekwondo-aber alleine die Tatsache, dass ich beide Systeme praktiziere sollte zeigen, dass ich sie gut finde.
  • Die Zielsetzung – bei den häufig mit religiösem Eifer geführten Diskussionen zwischen Anhängern verschiedener Bewegungssystemen wird interessanterweise häufig genau dieser Aspekt vergessen. So streiten zum Beispiel Gewichtheber und Bodybuilder seit Jahrzehnten darüber, welche der beiden Sportarten „besser“ ist. Im ersten Fall ist die Zielsetzung so viel Gewicht wie möglich mit einer exakt definierten Technik zu bewegen, und in der zweiten den Körper nach einem Idealbild zu formen. Dass beide Sportarten dasselbe Werkzeug benutzen ist so gesehen eher Zufall. Selbst im Bereich des Kettlebell Trainings gibt es solche Kontroversen, die nach meiner Meinung völlig das Thema verfehlen: so diskutieren die Hardstylekettlebeller mit den Kettlebell Sportlern welches System bessere Ergebnisse zeigt. Im Hardstyle Kettlebell ist das Ziel Kettlebell unabhängige physische Leistungsfähigkeit zu erzeugen; im Kettlebell Sport geht es darum Wettkämpfe zu gewinnen. Da beide das gleiche Werkzeug benutzen, sind die Wirkungen in gewisser Weise ähnlich, trotzdem ist das eine System natürlich besser geeignet, die eigene Zielsetzung zu erreichen als ein System mit einer anderen Zielsetzung.

Das richtige Werkzeug für die Aufgabe finden….

Um das für dich richtige System zu finden, solltest Du zunächst aber wissen, was du erreichen möchtest. Suchst du etwas, das dich ein Leben lang beschäftigen und leiten kann, oder willst du möglichst schnell und effizient ein genau definiertes Ziel erreichen?
Im ersten Fall, denke ich, wirst du eher in den älteren erprobten und gewachsenen Systemen, wie klassische Kampfsportarten, Yoga usw. fündig werden. Ist ein Ziel, ein guter Wettkampfsportler zu werden, ein bestimmtes körperliches Ziel zu erreichen oder dich möglichst effektiv verteidigen zu können, dann wirst du in der zweiten Kategorie eher glücklich.
Weiterhin gibt es hier weder gut noch schlecht – es ist immer abhängig davon, was du persönlich erwartest.

Hast du nun etwas gefunden, das so aussieht als würde es zu dir passen, dann solltest du zunächst einige Fakten ermitteln:

  • Entspricht das System der Kategorie, die du suchst? – Wirf einen zweiten Blick auf alles und stelle sicher, dass tatsächlich das drin ist, wonach es auf den ersten Blick aussieht. Gerade ältere, gewachsene Systeme entfernen sich manchmal von ihrer ursprünglichen Zielsetzung – das muss nicht schlecht sein es; kommt immer darauf an, was du suchst.
  • Wer praktiziert das System? – Schau dir die Leute an, die bereits aktiv mit dem System arbeiten. Haben sie die gleichen Ziele, die auch du erreichen willst? Kannst du erkennen, ob sie auf dem Weg zu diesen Zielen sind oder sie schon erreicht haben?
  • Wer hat das System geformt? – Bei älteren Systemen ist das oft nicht mehr nachvollziehbar, aber besonders bei den neuen ist das ein wichtiges Qualitätskriterium. Auch hier stellt sich die Frage nach den Zielen, die der Systemstifter verfolgte. Wie ist die Kommunikation? Ist sie von Ehrlichkeit und dem Bedürfnis zu helfen geprägt oder hört man nur inhaltslose Marketingsprüche?

Letztlich und endlich ist es, gibt es keinen Grund für die häufig mit religiösem Eifer geführten welches System das Beste ist. Es kommt nur darauf an wofür es gedacht ist und wie es angewendet wird.
Da es für die wenigsten von uns um Sieg oder Niederlage bzw. sogar um Leben oder Tod geht, liegt es im eigenen Ermessen jedes einzelnen was er sich aussucht und wie er es anwenden möchte. Je besser das Werkzeug (= System) zur Aufgabe (= Ziel) passt, umso besser die zu erwartenden Ergebnisse. Trotzdem gilt auch hier: Wenn einer unbedingt seine Schrauben mit dem Hammer in die Wand schlagen will ist das letztlich seine Sache.

About Florian

Als einer der ersten RKC Kettlebell Instruktoren in Deutschland ist Florian ständig dabei seine Fertigkeiten im Umgang mit der Kettlebell und sein Wissen zu erweitern. Im vorliegenden Blog berichtet er sein seit 2012 von seinen Erfahrungen und gibt Tipps für den Umgang mit der Eisenkugel, fürs eigene Training und vieles mehr.
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